Zum Bereich für Franchisegeber
Zum Bereich für Franchisegeber
Ratgeber
für Franchise-Interessierte

Wie finde ich das richtige Franchise-System?

Reinhard Wingral: Ich begrüße Sie, liebe Chat-Gemeinde, mit einem frischem, norddeutschen „Moin“. Wir sind jetzt in der ersten Pause der Systempräsentationen und ich freue mich in der ersten Chatrunde von 30 Minuten auf Ihre Fragen.

Leser: Die Überschrift des Chats lautet: „Wie finde ich das richtige Franchisesystem". Das ist auch gleichzeitig meine Frage:

Reinhard Wingral: Ja, das ist die Frage, um die sich bei unserer Veranstaltung alles dreht. Ich möchte Ihnen in der Kürze der Zeit folgendes vorschlagen: Klären Sie sich zuerst ganz ehrlich für sich, ohne an Investitionen, Einkommen oder Finanzierung zu denken: Was macht mir Spaß und was mag ich überhaupt nicht. Stellen Sie sich dann, auch ganz ehrlich, die Frage: Was kann ich besonders gut und was liegt mir überhaupt nicht. Der Franchisegeber schult und trainiert Sie zwar professionell, aber Akquise und Markterschließung wird in jedem Fall die wichtigste Aufgabe für Sie sein. Egal, was Sie machen werden. Drittens: Schauen Sie, welche Franchiseangebote grundsätzlich zu Ihnen passen. Auswahl haben Sie in jedem Fall genug. Die nächsten Schritte werden dann bereits sehr individuell, da helfen keine Pauschalrezepte an dieser Stelle weiter.

Leser: Moin, Herr Wingral: In ihrem Artikel zur Veranstaltung verweisen Sie bei einigen Systemen auf die virtuelle Messe des Franchiseportals. Nach welchen Kriterien ist diese Messe zusammen gestellt ?

Reinhard Wingral: Eine ähnliche Frage hatten wir eben schon auf der Hotline. Die Franchisegeber entscheiden selbst, ob sie diese Form der Präsentation für sich nutzen möchten und welche Informationen sie dort geben. Grundsätzlich achtet der Fachverlag Kessler aber darauf, daß nur Systeme, die seriös und wie ordentliche Kaufleute arbeiten, angenommen werden. Sollten Sie weiterführende Informationen wünschen, ist die persönliche Kontaktaufnahme zum Franchisegeber aber unerlässlich.

Leser: Hallo Herr Wingral. Auf der START Messe in Essen letztes Jahr habe ich ein Franchisesystem für SB-Bäckereien kennengelernt, das mich begeistert hat. Nun wird mir angeboten, einen beste-henden Filial-Standort zu übernehmen. Ist das üblich ?

Reinhard Wingral: : Das ist nicht ungewöhnlich. Oft hat der Franchisegeber die Gelegenheit, einen Standort anzumieten, hat aber in dem Moment keinen Franchiseinteressenten. Also, mietet er an, eröffnet den Betrieb und sucht nun ohne Zeitdruck einen Franchisenehmer. Es ist für Sie sogar ein Indiz dafür, daß der Franchisegeber finanziell in der Lage ist, diese Vor- Leistungen zu erbringen. Prüfen Sie aber sehr genau, zu welchem Preis Ihnen der Betrieb angeboten wird.

Leser: Wer überprüft eigentlich die Angaben der Franchisegeber und wer übernimmt die Verantwortung, wenn sich die Angaben als falsch herausstellen?

Reinhard Wingral: Die angaben müssen Sie selbsr überprüfen, bzw. dazu fachliche Hilfe eines Beraters oder Rechtsanwaltes in Anspruch nehmen. Die Verantwortung hat der Franchisegeber für Vollständigkeit, Aktualität. Sollte er Ihnen nicht alle Informationen gegeben haben, die Sie für Ihre Entscheidung brauchen, kann er schadenersatzpflichtig werden.

Leser: Suchen all die vorgestellten Franchiseunternehmen gegenwärtig in Deutschland Partner?

Reinhard Wingral: Ja, das tun sie in der Tat. Denn jedes Franchisesystem kann nur wachsen und sich am Markt etablieren, wenn es gute Partner findet.

Leser: Wie nehme ich mit den Franchisesystemen Kontakt auf und welche Daten muss ich liefern?

Reinhard Wingral: Die Kontaktaufnahme erfolgt ganz formlos. Im zweiten Schritt bekommen Sie vom Franchisegeber meistens sogenannte Info-Unterlagen, in denen Sie sich zu Ihren finanziellen und beruflichen Hintergründen äußern müssen. Alles weitere wird dann individuell vereinbart.

Leser: Guten Tag Herr Wingral. Ich finde Ihr Guiness-Vorhaben sehr interessant und bedauere, dass ich nicht vor Ort teilnehmen kann. Zu meiner Frage: In welchen Fällen ist eine traditionelle Existenzgründung sinnvoller als Franchising?

Reinhard Wingral: Danke, für Ihr Kompliment. Franchising ist in jedem Fall ein guter Weg, wenn Sie eine kurze Anlaufphase wünschen, wenn Sie das Rad nicht erfinden möchten und keine Experimente lieben, die Sie viel Geld kosten können.

Leser: Wie hoch ist eigentlich die Insolvenzquote bei Franchisegebern? Wie wirkt sich eine Insolvenz auf die angeschlossenen Franchisenehmer aus?

Reinhard Wingral: Über die Insolvenzquote von Franchisesystemen gibt es meines Wissens keine präzisen Zahlen - aber es gibt sie natürlich ab und an. Die Folge: Der beste Weg ist, wenn die Franchisenehmer die Franchisezentrale selbst organisiseren und das Sysrtem fortführen. Damit gibt es keine langfristigen Auswirkungen für die Franchisepartner. Verhandelt werden muß das jeweils mit dem Insolvenzverwalter.

Leser: Übernimmt das Franchisesystem die Reisekosten zum Vorstellungstermin?

Reinhard Wingral: Nein. das ist nicht üblich - aber ich denke, das Geld ist gut investiert.

Leser: Warum sind manche Experten in IHK und Arbeitsamt dem Franchising gegenüber so skeptisch? Normalerweise müsste das Risiko eines Fehlschlags durch die Erfahrung des Franchisegebers doch reduziert sein.

Reinhard Wingral: Leider gibt es um das Thema franchising immer noch zu viel unwissenheit. Daher bekommen Sie oft ablehnende Antworten. Unsere Veranstaltung soll ja auch ein wenig dazu beitragen, das Franchising ins Bewußtsein zu bringen und auszuleuchten.

Reinhard Wingral: Liebe Chatgemeinde, ich gehe jetzt wieder in meine Präsentation- um 15.45 Uhr gehts weiter. Und Tschüß !

Reinhard Wingral: Hallo zum 2.Chat - also weiter gehts

Leser: Ich suche einen jemanden, um gemeinsam in ein Franchisesystem einzusteigen. Wie finde ich einen geeigneten Mitgesellschafter ? Können Sie mir einen Tipp geben?

Reinhard Wingral: Erste Anlaufstelle sind nach meiner Erfahrung die Business Angels. Heir finden Sie interessante Menschen, die Geld und Know-how investieren. Das Know-how haben Sie natürlich schon vom Franchisegeber, aber Geld und Managementerfahrung zusätzlich macht Sinn. Unter BAND (Business-Angels Deutschland) finden Sie Ansprechpartner. Viel Glück.

Leser: Was halten Sie von Master-Franchising? Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Reinhard Wingral: Beim Master Franchising müssen Sie von deutlich höhren Investitionen ausgehen. Zum zweiten müssen Sie eine Gesellschaft errichten, die die Masterlizenz zu wirtschaftlicher wertschöpfung werden läßt. Mit anderen Worten: eine Alternative mit mehr Organisationsumfang. Die Erfolgsquote ist unterschiedlich. Wichtig ist, daß dieses System auch auf die Mentalität des deutschen Marktes abgestimmt ist. Es gibt immer wieder Systeme, die im Ausland gut funktionieren, aber nicht ohne weiteres übertragbar sind.

Leser: Welches sind die besten Franchisesysteme in Deutschland?

Reinhard Wingral: Gegenfrage: nach welchem Kriterium ? Wir haben etablierte Systeme wie z.B.Fressnapf (2004 ausgezeichnet)und mit viel Know-how an 600 Standorten tätig. Aber es gibt auch systeme wie z.B. Isotec, mit patentiertem Know-How aber deutlich weniger Standorten. Und es gibt Systeme, mit denen können Sie sehr viel geld verdienen, wenn Sie vorher hoch investieren. Andere Systeme, bei denen Sie weniger verdienen, aber kleine Investitionen haben. Also, es ist wie beim Auto: Für eine 5-köpfige Familie ist der Van optimal, für den Single der klene Roadster. Was ist besser ?

Leser: Ist eine Franchise-Gründung leichter zu finanzieren als eine normale Existenzgründung?

Reinhard Wingral: Nach meiner Erfahrung aus etwa 400 Gründung ein klares Ja. Im Businessplan können die Kosten und Roherträge, die Investitionen und die Dauer der Anlaufphase mit echten Erfahrungswerten aus bestehenden Franchisebetrieben unterlegt werden, während bei einer Individualgründung die Planung viel ungenauer ist (sein muß)

Leser: meine Fa. soll als Franchise auf dem Markt kommen. Wie mache ich das am Besten?

Reinhard Wingral: Zuerst sollten Sie die Erfolgsfaktoren, die ihr Konzept ausmachen, zusammentragen. Kehrt der Bedarf nach Ihren Produkten, dienstleistungen wieder, kann die Idee auf andere übertragen werden, wie soll die systemzentrale aufgebaut sein, welches Know-how haben Sie konkret, wie soll das Profil der Franchisenehmer aussehen, usw. Dann einen Zeitplan machen, den Finanzierungsbedarf ermitteln, Schutzrechte sichern, Franchisevertrag und Handbuch planen, Franchisenehmersuche vorberieten. Das sind zumindest in aller Kürze die wichtigsten Arbeiten.

Leser: Stimmt es, dass große Franchisesysteme besonders attraktiven Standorte mit Eigenbetrieben besetzen?

Reinhard Wingral: Das ist teilweise richtig. Manchmal finden Sie aber für attraktive Standorte auch keinen Franchisenehmer, weil, die Abstandszahlungen für den bestehenden Betrieb sehr hoch sind.

Leser: Warum ist in der Presse so wenig von Franchising die Rede? Ich bin nur zufällig darüber gestolpert.

Reinhard Wingral: Das Franchising ist kompliziert und für vielleicht schwer verständlich zu machen. In der Fachpresse (Z.B. Franchiseerfolge)wird das Thema deutlich professioneller behandelt.

Leser: Wie kann ich ohne großen Aufwand einschätzen, ob ein Geschäftskonzept wirtschaftlich und auf Dauer funktioniert ?

Reinhard Wingral: Zu Ihrem Wunsch, dies ohne großen Aufwand zu tun, müßten wir uns vorab erst einmal darüber verständigen, was „großer Aufwand“ ist, aber ich glaube zu wissen, was Sie meinen. Also: Die Erfolgsfaktoren aller Franchisesysteme liegen u.a. in Wettbewerbsvorteilen, die Sie aus der Masse der Anbieter hervorheben, das gilt für Produkte ebenso wie die Art und die Umsetzungen von Dienstleistungen. Ganz wichtig die Frage: Ist der Erfolg auf anderen Menschen zu übertragen oder ist er ausschließlich auf die Persönlich-keit des Franchisegebers zurückzuführen. Und natürlich darf die Geschäftsidee nicht auf einem kurzlebigen Trend basieren, der Bedarf muß erkennbar dauerhaft wiederkehrend sein. Wenn das alles positiv erscheint, beginnt die detallierte Prüfung des einzelnen Angebotes – aber da beginnt auch der Aufwand.

Leser: Ich war vor zwei Wochen zu einem persönlichen Gespräch in der Systemzentrale eines Franchisegebers und wollte die Handbücher einsehen oder mal für zu Hause in Ruhe prüfen. Das wurde mir aber verweigert mit dem Hinweis, erst wenn ich den Franchisevertrag unterschrieben hätte, würde diese Unterlagen bekommen. Ist das normal ?

Reinhard Wingral: Sie sprechen zwei Dinge an, die man auseinander halten muß. Es gehört ganz klar zu den vorvertraglichen Aufklärungspflichten eines Franchisegebers, Ihnen die das (oder die) Systemhandbücher zur Einsicht vorzulegen. Das geschieht üblicherweise im Rahmen des von Ihnen erwähnten Besuchs. Andererseits ist klar, das niemand dieses „Herzstück“ eines System ausgehändigt bekommt, solange er nicht tatsächlich Franchisenehmer ist. Denn der Franchisegeber muß natürlich auch die anderen Partner vor möglichem Know-how Mißbrauch schützen.

Reinhard Wingral: Guten Abend, es geht weiter. Wenn Sie die Bilder unter diesem Portal anschauen, haben einen ersten eindruck, wie der Tag bisher gelaufen ist.

Leser: Entscheiden sich viele deutsche Franchisegebr für China? oder ist es doch zu exotisch?

Reinhard Wingral: Die deutschen franchisegeber glauben noch nicht so recht, was in China passiert (ich mene den Mittelstand). Wir sind offizielles Mitglied im chinesischen Franchiseverband (CCFA) und bekommen die Informationen aus erster Hand, unser Büro in Hangzhou arbeitet seit letztem Jahr und wir wissen, daß zahlreiche chinesische Unternehmen auf der Suche nach Konzepten aus Deutschland sind. Unsere Infrastruktur kann den Markteintritt unterstützen. Sicher ist aber, daß wir in den nächsten 2 Jahren vermehrt chinesische Anbieter in Deutschland haben werden.

Leser: Unter den Bildern in Ihrer Online-Präsentation sah ich ein Franchise-System namens "Gesund und Munter". Im Franchiseportal konnte ich das Kurzprofil nicht finden. Was verbirgt sich hinter dem Namen? Können Sie mir eine Anschrift oder Internetadresse nennen?

Reinhard Wingral: Hierbei geht es um sogennate IGEL Leistungen, also Leistungen, die die Krankenkasse nich übernimmt und in den Bereich präventive Gesunderhaltung gehen. Die Kontaktdaten: www. millennium-med.de, Dr. Uwe Hoeller, Tannenbergstr. 7, 51465Bergisch-Gladbach, Tel 02202-9899990

Leser: Helfen die Franchisegeber ihren Partnern, wenn diese unverschuldet in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten?

Reinhard Wingral: Vertraglich ist dies in der Regel nicht vorgesehen, aber einige Systeme haben sog. Stützungfonds installiert, über deren Verwendung meistens der Systembeirat mit entscheidet. Ein guter Ansatz, aber, wie gesagt, nicht weit verbreitet.

Leser: Ist Franchising auch eine Lösung für qualifizierte Langzeitarbeitslose?

Reinhard Wingral: Selbstverständlich, ich denke, jeder weiß heute wie Langzeitarbeitslosigkeit entsthet und das nicht automatisch in Verbindung mit der Qualifikation des Einzelnen zu sehen ist. Sprechen Sie Franchisegeber an - nur Mut.

Leser: Auf welche Punkte sollte man im Erstgespräch mit dem Franchiser besonders achten?

Reinhard Wingral: Fragen Sie nach bereits tätigen Franchisepartnern, sprechen Sie mit denen. Ein seriöser Franchisegeber hat nichts dagegen, denn er muß Ihnen sowieso die entsprechenden Infor-mationen zur Entscheidung geben. Musterrechnungen, Franchisevertrag, und Auskunft der Creditreform ergänzen das Erstgespräch.

Leser: nochmal zu China: steigen chinesische Partner bei deutschen Franchisegebern ein oder suchen sie noch nicht im Markt eingeführte Konzepte?

Reinhard Wingral: Überwiegend bauen die Chinesen ein eigenes Franchisesystem nach bekanntem Muster auf, besetzen es mit chinesisch und/oder deutschem Personal, errichten eine Gesellschaft in Deutschland und werden tätig. Da sie seit Jahr und Tag weltweit exportieren und viele Niederlassungen in diversen Ländern haben, ist das für chinesische Firmen etwas selbstverständliches.

Leser: schaffen Sie heute den Rekord? Eintrag ins Guiness-Buch?

Reinhard Wingral: Das hoffe ich, bis jetzt ist meine Stimme noch in Ordnung und ich bin gut in der Zeit. Danke für Ihre Frage.

Leser: Sind die von Ihnen vorgestellten Franchisegeber als seriös zu betrachten? Anscheinend soll man auch auf die Verbandsmitgliedschaft achten, da die dort organisierten Unternehmen irgendwelche Mindeststandards erfüllen.

Reinhard Wingral: Die Mitgliedschaft im DFV ist in jedem fall ein positives Kriterium und der Verband bemüht sich, noch in diesem Jahr die Qualitätsstandards weiter zu erhöhen. Es gibt aber auch seriöse Franchisesysteme, die Mitgliedschaften, in welcher Vereinigung auch immer, ablehnen. Unseriöse Franchisesysteme werden heute schneller aus dem DFV geworfen, als das noch vor Jahren der Fall war. Das ist zu begrüßen.

Leser: Wo kann ich Informationen zu Franchisegebern aus Übersee erhalten? Gibt es normalerweise Sonderkonditionen für den Pilotbetrieb eines ausländischen Systems?

Reinhard Wingral: Informationen bekommen Sie über den Franchiseverband des jeweiligen Landes oder über internationale Rechtsanwalts-vereinigungen (z.B. franchiselawyers.de). Die Konditionen werden in der Regel individuelle ausgehandelt, je nach Aus´gangs- und Interessenlage.

Leser: In der Zeitung bin ich auf Kleinanzeigen von Systemen gestoßen, die in den einschlägigen Katalogen nicht erscheinen. Warum werden nicht alle Franchisegeber aufgenommen?

Reinhard Wingral: Das Franchising in Deutschland wächst inzwiscehnso stark, daß auch die Profis in der Katalogisierung nicht immer so schnell mitkommen. Es geht ja nicht nur um einen Namen, sondern auch um Zahlen und Fakten, die eingetragen werden. Aber beim franchiseportal sind Sie schon an einer Topdresse und in guten Händen.

Reinhard Wingral: So, liege Chatfans, die nächste halbe Stunde ist vorbei, ich bin um 19.30 wieder für Sie da und freue mich auf die nächsten Fragen. Bis später.

Leser: Mir ist aus den USA eine Masterlizenz für ganz Deutschland angeboten worden, es geht dabei um das Bauen mit Stahlrahmensystemen, also so ähnlich wie Fachwerkkonstruktionen. Das Prinzip soll in Amerika und Kanada seit Jahrzehnten erfolgreich sein. Die Lizenz soll 2 Mio. USD kosten. Lohnt sich das ?

Reinhard Wingral: Sie sollten aus mehreren Gründen vorsichtig sein. Ein in Amerika, oder auch in anderen Ländern erfolgreiches Geschäftskonzept funktioniert nicht automatisch in Deutschland genauso gut, denn die Marktmentalitäten zwischen verschiedenen Ländern sind häufig sehr unterschiedlich. Außerdem sollten Sie genau prüfen, was im Preis enthalten ist, es könnte sein, daß die Baustoffe in Deutschland gar nicht zugelassen sind oder die Bauunterlagen nicht in metrischen Maßen gerechnet sind. Außerdem müssen Sie neben dem Preis für die Masterlizenz erhebliches Geld für die Markterschließung einplanen.

Leser: Was ist besser für mich: ein großes System mit vielen Franchisenehmern oder ein junges mit wenigen Partnern?

Reinhard Wingral: Das ist ein auch ein wenig Mentalitätssache: Es gibt Interessenten, die sagen, bei einem jungen System fühle ich den Pioniergeist, kann mitgestalten und werde wahrgenommen. Andere sagen, wenn das System nicht mehrere Dutzend gut laufende Standorte betreibt, fühle ich mich nicht sicher. Aber auch für kleine Systeme gelten die gleichen Aufklärungs- und Betreuungspflichten wie für etablierte.

Leser: Mein Mann ist arbeitslos und sucht eine berufliche Zukunft. In den letzten Tagen haben wir Streit über ein Franchiseangebot bekommen. Wir müssen nur einmalig 9.800 Euro für ein Startpaket (Ware, Preislisten, Visitenkarten) bezahlen und bekommen ein großes Verkaufsgebiet exklusiv übertragen. Die Gewinnspanne ist enorm, weil es keine Konkurrenz gibt und Kosten fallen kaum an. Bis Samstag müssen wir aber auf einer Veranstaltung im Hotel in unserer Nachbarstadt unterschreiben, sonst ist die Chance weg. Ich habe aber kein gutes Gefühl.

Reinhard Wingral: Ich auch nicht. Das Muster sieht bedrohlich nach Abzocke aus. Man will Sie mit mentalem Druck zur Unterschrift zwingen und die Begriffe „konkurrenzlos“ und „exklusiv“ gehören zur Strategie. Ihr Mann sollte den kommenden Samstag bei einem guten Essen für Ihre Wachsamkeit bedanken. Das kostet zwar auch Geld – hat aber einen echten Gegenwert. Er kann uns auch morgen gezielt kontakten, wenn wir Details kennen, können wir die Angelegenheit sicher klar begründen.

Leser: Wie kriege ich bei bei der Zurückhaltung der Banken eine Finanzierung meiner Existenzgründung durch?

Reinhard Wingral: Der Franchisegeber sollte Ihnen dabei zur seite stehen und eine Muster-Vorhabensbeschreibung mit Finanzierungskonzepten an die Hand geben. Weiterhin ist es hilfreich, wenn sich die Wirtschaftlichkeitsberechnungen auf Efahrungswerten des Pilotbetriebes und bestehender Franchisebetriebe stützen. Das System sollte das Konzept bei der KfW-Mittelstandsbank einer grundsätzlichen Förderungswürdigkeit überprüfen lassen - dann ist die Beantragung von Fördermitteln einfacher. Denken Sie bitte auch an alternative Finanzierungswege, wie z.B. über Leasinggesellschaften oder den mittelständischen Beteiligungsgesellschaften.

Leser: Brauche ich betriebswirtschaftliche bzw. kaufmännische Kenntnisse, um als Franchisenehmer erfolgreich zu sein?

Reinhard Wingral: Das Anforderungsprofil der Franchisegeber ist unterschiedlich ausgeprägt - je nach Konzept und Branche. Die meisten Franchisegeber erwarten Verkaufserfahrungen und unternehmerisches Denken. In vielen Erfolgskritischen Bereichen werden Sie durch den Franchisegeber geschult. Das macht das besondere am Franchising ja auch aus. Gerade branchenfremde sind häufig die erfolgreichen Franchisenehmer.

Leser: Kann ein Franchisenehmer in einem System mehrere Geschäfte führen oder auch in mehreren Systemen einsteigen?

Reinhard Wingral: Es ist nicht untypisch, dass ein FN mehr als einen Betrieb führt. Es ist aber wichtig, dass Sie sich zunächst mit einem Betrieb erfolgreich profilieren. Grundsätzlich ist es möglich auch bei zwei oder mehreren Systemen FN zu werden, allerdings hängt das von den Klauseln des Franchisevertrages zu Wettbewerbsbeschränkungen ab. Einige FG verpflichten ihre FN auch dazu ihre "ganze Arbeitskraft" zur Führung des einen Betriebes zu verwenden.

Leser: Was halten Sie von Master-Franchising? Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Reinhard Wingral: Master-Lizenzen werden in verschiedenen Formen vergeben, meist zur Erschließung von ausländischen Märkten. Dabei ist es wichtig, dass das Konzept den Märkten angepasst wird. Zu beachten sind u.a. Konsumgewohnheiten, Kulturunterschiede, gesetzliche Rahmenbedingungen und Zielgruppen. Wenn Sie eine Master-Lizenz erwerben treten Sie selbst als Franchisegeber auf und bauen Ihre Absatzstrukturen über Franchisenehmer auf.

Reinhard Wingral: Ich bin zurück für die nächste Runde. Meine Stimme fängt ein wenig an zu leiden, aber es läuft ansonsten planmäßig.

Leser: Wie schütze ich mich vor dubiosen Anbietern? Bekomme ich als Privatmann bei Bürgel, Schufa oder Kreditreform Informationen über die Kreditwürdigkeit von Franchisegebern? Ist das mit Kosten verbunden?

Reinhard Wingral: Die Kreditwürdigkeit eines Franchisegebers bekommen Sie über die von Ihnen genannten Quellen, mit der Ausnahme Schufa, den das ist ein interner Schutzmechanismus der Banken. Die Kosten variieren,d.h. je umfangreicher und je schneller ich die Infornmationen wünsche, um so teuerer wird es. Vor dubiosen Anbietern schützen Sie sich vorab durch Nachfrage beim DFV, DFNV, oder einem Blick auf www. nexxt.org, der Plattform der KfW-Mittelstandsbank. Danach müssen die Details eines Angebotes ananlysiert werden.

Leser: Guten Abend Herr Wingral: Ich wohne in Delmenhorst und habe gehört, es gibt demnächst in Bremen die Gründermesse START. Können Sie mir sagen, ob ich dort Informationen über Franchise-systeme bekomme ?

Reinhard Wingral: Ja, die bekommen Sie auf jeden Fall. Die STart-Messe findet am 27. und 28. Mai statt. Auf den bisherigen START-Messen waren immer gute Franchisesysteme als Aussteller zu finden und auch die Workshops im Rahmenprogramm der Messe lohnen sich.

Leser: Ich stehe erst am Anfang meiner Überlegungen, sicher ist aber, daß ich nur begrenzt investieren kann. Wieviele Systeme gibt es für ca. 30.000 bis 40.000 Euro überhaupt ?

Reinhard Wingral: Da haben Sie schon eine erhebliche Auswahl. Genaue Zahlen finden Sie auf der Franchise CD 2005, die gerade in den Handel gekommen ist. Dort im Bereich Statistik ist eine aktuelle Befragung in der Franchisewirtschaft hinterlegt. s sind m.E. fast 50% aller Angebote, die in diesem Rahmen sind.

Leser: Wie viele Gespräche mit einem Franchisegeber und welcher Zeitraum sind zu veranschlagen, bis es i.d.R. zur Unterzeichnung eines Franchise-Vertrages kommt?

Reinhard Wingral: Das ist sehr individuell zu sehen. Nach einem ersten Kontakt bekommen Sie mit den Systeminformationen üblicherweise einen Infobogen, in dem der Franchisegeber Sie zum beruflichen und finanziellen Background fragt. Das muß sein, um die Gespräche mit Substanz fortzuführen. Darauf folgt meistens ein Termin in der Systemzentrale- wichtig für Sie, um zu seehen, wer und in welcher Arbeitsumgebung Sie später betreut. Und dann ist zu klären, wie schwierig oder schnell die Finanzierung geklärt werden kann. Natürlich kann ich auch mit 3 oder 4 Franchisegebern parallel verhandeln. Sie sehen, es dauert von..bis..

Leser: Gibt es ein Förderprogramm, das sich für Franchising besonders eignet?

Reinhard Wingral: Es gibt zur Zeit kein spezielles Förder-programm, die KfW-Programme sind grund-sätzlich aber auch für Franchise-finanzierungen nutzbar. Bei Gesprächen, die ich vor zwei Wochen im Bundeswirt-schaftsministerium in Berlin geführt habe, habe ich genau zu diesem Punkt konkrete Vorschläge gemacht - wir werden sehen.

Leser: Halten Sie Network Marketing für eine interessante Alternative zu Franchising?

Reinhard Wingral: Es ist sicher eine Alternative, wenn man sich darüber im klaren ist, das hier keine Rechte und Pflichten vereinbart werden wie im Franchising. Es ist letztlich eine losere Form der Zusammenarbeit. Franchising ist nun mal die konsequenteste Form der Kooperation.

Reinhard Wingral: Ich begrüße Sie alle zur letzten Runde im Chat - herzlich willkommen.

Leser: Welche Branchen machen bei der Finanzierung gegenwärtig besondere Schwierigkeiten? Ich vermute Gastronomie und Einzelhandel.

Reinhard Wingral: Ja, das schätzen Sie schon richtig ein. Beide Bereiche sind traditionelle sehr investitionsintensiv und beide Bereiche spüren die andauernde Zurückhaltung beim Geldausgeben. Allerdingsmuß man beim Einzelhandel differenzieren. Ich habe in den letzen drei Monaten 4 von 5 Einzelhandelsfinanzierungen durch-gebracht. Gastronomie hatte ich im gleichen Zeitraum nicht mal ein Mandat.

Leser: Stellt die Franchise-Zentrale einen Muster-Businessplan zur Verfügung, um die Kreditbeantragung zu erleichtern?

Reinhard Wingral: immer mehr Franchisegeber haben in den letzten Jahren erkannt, daß dies in der Tat die Kreditbeantragung erleichtert und den zeitlichen Ablauf zwischen Entscheidung zum Systembeitritt und Eröffnung des Betriebes verkürzt. Gleichwohl sollte ein externer Berater den Businesplan individuell anpassen. Dafür bekommen Sie als Franchise- nehmerin ja auch entsprechende öffent-liche Zuschüsse.

Leser: Wenn ich Ihre homepage richtig verstehe, betreuen Sie Franchisegeber, aber auch Franchisenehmer. Wie passt das zusammen, gibt es da keine Interessenkonflikte ?

Reinhard Wingral: Franchisegeber und Franchisenehmer gehören zusammen wie Autohersteller und Tankstellen - einer ist ohne den anderen nicht funktionsfähig oder anders: auch Anwälte vertreten mal einen Kläger und mal einen Beklagten. Ich habe damit nie ein Problem gehabt, natürlich achte ich und mein Team sehr genau darauf, daß es keine Wettbewerbskollisionen gibt. Das heißt, es wäre nicht korrekt, ein Franchise-system aufzubauen und für ein konkur-rierendes System die Franchisenehmer zu betreuen. Juristisch nicht sauber und hanseatisch nicht in Ordnung.

Leser: Ich habe gelesen, daß Sie einen Franchisegeber aus China beraten, der in Deutschland Nähshops eröffnen will. Das interessiert mich. Wie hoch sind die Investitionen und welche Standorte sind vorgesehen?

Reinhard Wingral: Kompliment, Sie sind aber gut infor-miert. Das Projekt ist zeitlich in Verzug, weil der Produzent aus China sich mit seinen Gesellschaftern bisher nicht einig geworden ist, in welcher Konstruktion die Systemzentrale gesellschaftarechtlich und organisatorisch geführt werden soll. Das ist aber wesentlich für eine planbare Expansion. Die Shops werden auf kleien, hochfrequentierten Flächen sein, d.h. die Investitionen werden auf jeden Fall 25.000 bis 30.000 Euro nicht übersteigen.

Leser: Das Risiko das ganze Franchissysteme scheitern ist im Rahmen von Basel II relativ groß, da Franchisgeber in der Regel lediglich know how zentralen darstellen, wie begegnen Sie bei Ihren Franchiseempfehlungen dieser Tendenz?

Reinhard Wingral: Immer weniger Unternehmen verfügen über klassisches Anlagevermögen, das die Banken als Sicherheiten nutzen können. Die Unternehmen (ganz allgemein) sind in gemieteten Räumen ansässig, haben geleaste Fahrzeuge und Ausstattungen, aber Know-how, das sie wertvoll macht. Dieses Bild ist auf Franchiseunter-nehmen übertragbar. wenn man sich die Ratingansätze zu Basel II mal unter die Lupe nimmt, stellt man schnell fest, daß genau diese Entwicklung von Basel II in hohem Maße berücksichtigt wird. Ich sehe Basel II als eine Chance - und nicht als böse Krankheit.

Leser: Stimmt es, daß ich als Franchisenehmer eines Systems, das bei der KfW-Mittelstandsbank registriert sind, finanziert werde ?

Reinhard Wingral: Ja, das ist ein entscheidender Vorteil. Ihre persönliche Bonität wird aber auch in diesen Fällen nach den üblichen Bankregeln geprüft. Vorteil beim Franchising ist allerdings: der Franchisegeber hat sie auf Ihre unternehmrische Eignung schon vorab durchleuchtet - das bringt Punkte.

Leser: Ich bin arbeitslos und nehme zur Zeit an einem geförderten Existenzgründungslehrgang teil. In der letzten Woche hatten wir eine lange Diskussion in der Gruppe, ob ich als Franchisenehmer als Unternehmer wirklich frei bin. Die meisten waren der Meinung das ist nicht der Fall.

Reinhard Wingral: Die vertraglichen Regeln sind die Spielregeln für alle Beteiligten - daß empfindet mancher als Unfreiheit. Aber die Vorteile und die Minimierung des unternehmerischen Risikos heben diese vermeintlichen Nachteile deutlich auf.

Leser: Meine Frage ist eher persönlicher Art: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Veranstaltung in dieser Art zu organisieren ?

Reinhard Wingral: Die Antwort auf Ihre Frage ist auch gleichzeitig mein Schlußwort für heute: In Zeiten, die wirtschaftlich wirklich nicht die besten sind, wollte ich ein Zeichen setzen, daß immer noch mehr hunderte Chancen gibt, sich mit einer Franchiseidee erfolgreich selbständig zu machen. Ich bin auch sehr froh darüber, daß der Wirtschaftsminister von Schlesiwg-Holstein, Herr Dr. Bernd Rohwer, persönlcih eine Stunde an der Veranstaltung teilgenommen hat und sich zu Beginn in sehr ehrlicher und positiver Art zum Franchising geäußert hat - er ist ein Mann aus der Wirt-schaft und weiß wovon er spricht. Ich habe vor diesem teil des Chats die 1000er Marke erreicht - ich werde jetzt noch 44 Systeme vorstellen und dann insgesamt 1.082 Präsentationen vollzogen haben.

Reinhard Wingral: Liebe Chat Gemeinde - ein denkwürdiger Tag für mich und vielleicht auch für die Franchisewirtschaft geht an dieser Stelle zu Ende. Mehr stand nicht in meiner Kraft, heute zu bewegen. Glauben Sie an Ihre Zukunft - wir alle haben eine. Danke für alle, die mich unterstützt haben. Gute Nacht.

 Reinhard Wingral

Reinhard Wingral

Global Franchise AG

Aufbau von Franchisesystemen, Wandlung von Vertriebsstrukturen, Finanzierung und Bewertung von Franchisesystemen, Mediation. Know-How Transfer und passende Infrastruktur im Systemmanagement.

Der Newsletter für Franchise-Gründer
Weitere Infos zu den Vorteilen des Newsletters und der regelmäßigen Inhalte für den Interessenten.

Ausgewählte Top-Gründungschancen

  • Subway®
    Subway®

    Subway®

    Systemgastronomie als Take-away und Lieferservice
    Individuelle Sandwiches, eine beliebte Marke und ein weltbekanntes Gastronomiekonzept, das auch Krisenzeiten standhält: JETZT Restaurant eröffnen!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 15.000 EUR
    Vorschau
    Details
  • IWG
    IWG

    IWG

    Weltweit größter Anbieter von Coworking und flexiblen Arbeitsplatzlösungen
    IWG goes Franchise! Erwerben Sie Ihre Lizenz: Eröffnen Sie Ihre IWG-Bürozentren in Ihrer Region – mit der Marke des Weltmarktführers!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 50.000 EUR
    Vorschau
    Details
  • RE/MAX Austria
    RE/MAX Austria

    RE/MAX Austria

    Immobilien-Franchise: Immobilienvermittlung
    Werden Sie Partner des größten und am schnellsten wachsenden paneuropäischen Immobilien-Franchisesystems und profitieren Sie von unserem Netzwerk!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 40.000 EUR
    Vorschau
    Details