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Ratgeber
für Franchise-Interessierte

Strategien und Modelle für die Franchise-Finanzierung

Klaus Lockemann: Grüß Gott, und herzlich willkommen zu unserem heutigen Chat. Ich freue mich auf Ihre Fragen rund um das Thema Finanzierungen. Ihr Klaus Lockemann

Leser: Grüß Gott, Herr Lockemann: Gibt es Finanzierungsmodelle, die sich speziell für Franchising eignen? Könnten Sie diese bitte kurz skizzieren?

Klaus Lockemann: Es gibt eine Vielzahl von Finanzierungsmodelle, die sich für das Franchising anbieten. Ich möchte hier beispielhaft 3 Modelle kurz skizzieren:1. Zuschuss = geschenktes Geld, 2. Zinsgünstige Darlehen von der KfW bzw. vom Bundesland = Zuschuss bei den Zinsen, 3. Ausfallbürgschaften von der zuständigen Bürgschaftsbank, wenn die so genannten banküblichen Sicherheiten fehlen.

Leser: Hallo Herr Lockemann, können Franchise-Nehmer ihr Gründungsvorhaben zu günstigeren Konditionen finanzieren als andere Existenzgründer, wenn sie sich einem erfolgreichen Franchise-Unternehmen anschließen?

Klaus Lockemann: Die Zinskonditionen werden durch ein aufwendiges Ratingverfahren ermittelt. Dabei ist der Kreditnehmer, sprich der Existenzgründer im Mittelpunkt. In der Regel werden die Sicherheitenstellung und die persönliche Bonität des Antragstellers, also vom Existenzgründer, begutachtet. Draus ergeben sich dann die entsprechenden Zinskonditionen, sprich bei öffentlichen Fördermitteln die entsprechende Preisklasse. Leider hat das Thema Franchising keinen direkten Einfluss auf die Zinskonditionen.

Leser: Hallo Herr Lockemann: Für welche Franchise-Geber kommt die Finanzierung mit Mezzanine-Kapital in Betracht? Welche Formen von Mezzanine-Kapital sind verfügbar und wer vergibt sie?

Klaus Lockemann: Als Franchise-Geber dürfen Sie nicht mehr in der so genannten Aufbauphase sein. Das heißt, Sie müssen anhand von Ihrem Pilotprojekt nachweisen können, dass Ihr System erfolgreich ist. Für den Aufbau eines Franchise-Systems und für den Pilotbetrieb ist eher schwierig, Mezzanine-Kapital zu bekommen. Das wohl bekannteste Mezzanine-Kapital ist von der KfW-Mittelstandsbank (=KfW).

Leser: Guten Morgen. Mich würde interessieren, wie man als Gründer bei einer Eigenkapitalquote von 25% die restliche Investition optimal finanziert. Wie hoch sollten der Kreditanteil der Hausbank, die Fördermittel der KfW und anderer Institutionen anteilsmäßig ausfallen?

Klaus Lockemann: Je nach Standort und Vorhaben können Sie Ihre Gründung mit der genannten Eigenkapitalquote ganz mit öffentlichen Fördermitteln (ohne ein Hausbankdarlehen) aufbauen. Dazu gibt es verschiedene Programme. Es kommt darauf an, worin die Investitionen getätigt werden, z.B. Sachinvestitionen und/oder Betriebsmitteln. Draus ergibt sich dann der Finanzierungsmix von Förderprogrammen, die entweder vom Bund (KfW) und/oder vom entsprechenden Bundesland kommen. Ein Mix aus Programmen von der KfW und dem Bundesland ist möglich.

Leser: Moin, Moin: Von welchen Faktoren hängt das geeignete Finanzierungsmodell zum Aufbau eines Franchisenehmer-Betriebes letztlich ab?

Klaus Lockemann: Franchising bedeutet Partnerschaft. Ihr Partner ist Ihr zukünftiger Franchise-Geber. Wenn Ihr Franchise-Geber erfolgreich ist, kann der Erfolg des Systems auf dem Partner, also auf Sie, dupliziert werden. Deshalb sollte der Franchise-Geber seinen Erfolg anhand von Zahlen von anderen Franchise-Nehmern und vom Pilotbetrieb beweisen können. Ihr Erfolg hängt auch von Ihrer Person ab. Als Franchise-Nehmer sind Sie auch ein eigenständiger Unternehmer, mit allen Rechten und Pflichten.

Leser: Warum müssen öffentliche Fördermittel zwangsläufig über die Hausbank beantragt werden? Ich habe damit viel Zeit verloren und finde, dass im Rahmen der von der neuen Bundesregierung angekündigten Entbürokratisierung ein direkter Online-Zugang zu den Förderinstituten eingerichtet werden sollte.

Klaus Lockemann: Sie sprechen hier das so genannte Hausbankprinzip an. Dies bedeutet, dass die Fördermittel in Deutschland über ein Geldinstitut ausgereicht wird. Dies hat mehrere Gründe. Die wichtigsten Gründe sind: 1. Die Hausbank prüft im Vorfeld das Vorhaben und gibt die Stellungnahme an das Förderinstitut weiter. Die Hausbank überwacht und koordiniert die Vergabe und den Einsatz der Fördermittel, wie z.B. bei Sachinvestitionen und Betriebsmitteln. 2. Die Fördermitteln dürfen auch nur zweckgebunden, d.h. für das Vorhaben eingesetzt werden. Auch dies kontrolliert die Hausbank. 3. Die Hausbank ist der Vertriebsweg für die öffentliche Fördermitteln. Sie müssen dafür einen entsprechenden Zeitrahmen einplanen, der durchaus 6-8 Wochen sein kann.

Leser: Guten Morgen, hat es Sinn ohne Eigenkapital eine hervorragende neue Franchise-Idee realisieren zu wollen. Erste Schritte?? mfg

Klaus Lockemann: Sie sagen … eine neue Franchise-Idee realisieren zu wollen…. Wollen Sie als Franchise-Nehmer oder als Franchise-Geber die Idee realisieren?

Leser: Würden Sie evtl. für einen Franchisegeber eine Finanzierungsstrategie entwickeln, die auf den Bausteinen Eigenkapital, Fremdkapital und Mezzanine beruhen, und sich anschließend um Angebote aus dem In- und Ausland bemühen?

Klaus Lockemann: Ja, sehr gerne sogar. Aber lassen Sie uns dies bitte außerhalb dieses Chat besprechen. Darf ich Sie deshalb bitten, mit mir entsprechend Kontakt aufzunehmen? – Herzlichen Dank.

Leser: Übernimmt die Bank die Beantragung von Fördermitteln, wenn ich von dort kein Darlehen brauche? Welche Kosten fallen dafür an? Gibt es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Banken? Wie finde ich die Bank mit den niedrigsten Gebühren?

Klaus Lockemann: Sie haben keinen Rechtsanspruch auf Förderprogramme. Es gibt Banken, die keine Förderprogramme vermitteln. Wenn Ihre Bank mit öffentlichen Förderprogrammen arbeitet, wird sie Ihnen die auch ohne ein zusätzliches Hausbankdarlehen ausreichen. Kosten bzw. Gebühren für die Beantragung und der anschließenden Ausreichung der Förderprogramme werden keine erhoben.

Leser: Inwieweit werden Sicherheiten wie Immobilieneigentum, Lebensversicherungen, Wertpapiere bei der Kreditvergabe für eine Existenzgründung berücksichtigt?

Klaus Lockemann: Als Existenzgründer haften Sie in der Regel mit Ihren ganzen Vermögen. Dies bedeutet, dass Ihre verwertbaren Vermögensgegenstände, wie zum Beispiel, Wertpapiere, Immobilieneigentum, etc. als Sicherheiten herangezogen werden. Bei der Gründung einer Einzelfirma haften Sie als Gründer persönlich und im ganzen Umfang. Sollten Sie eine Kapitalgesellschaft gründen wollen, so wird von Ihnen eine persönlich haftende Bürgschaft abverlangt, und somit haften Sie dann auch wieder mit Ihrem persönlichen Vermögen.

Leser: Lohnen sich öffentliche Fördergelder überhaupt noch im Vergleich zu Bankdarlehen? Wie hoch sind gegenwärtig die Zinssätze bei den KfW-Programmen?

Klaus Lockemann: Die öffentlichen Förderprogramme sind im Durchschnitt ca. 1% bis 1,5% preisgünstiger als Hausbankdarlehen. Hinzu kommt noch die u.U. tilgungsfreie Anlaufphase. Weiterhin können Sie Sondertilgungen leisten und das Förderprogramm (wenn es Sinn macht) vorzeitig ohne Strafe zurückzahlen. Dann gibt es noch Förderprogramme, die nicht besichert werden müssen, das sie eigenkapitalersetzende Funktion haben. Oder, es gibt Förderprogramme mit Haftungsfreistellung,…….. Sie sehen, es macht durch aus Sinn, Fördermittel einzusetzen. Die Konditionen der KfW sind im Internet frei einsehbar.

Leser: Guten Morgen! Wie stelle ich fest, ob ein Franchisesystem von der KfW-Mittelstandsbank wirklich gefördert wird? Mit welchen Hürden ist generell bei der Gewährung von Fördermitteln für Franchise-Gründungen zu rechnen?

Klaus Lockemann: Als erstes sprechen Sie bitte mit Ihrer Hausbank (Hausbankprinzip). Ihre Hausbank kann zum Beispiel bei der KfW erfragen, ob das Franchise-System schon einmal von der KfW gefördert worden ist. Die Hausbank wird auch den Franchise-Vertrag auf Förderfähigkeit überprüfen. Des Weiteren wird geprüft, ob das Franchise-System auch erfolgreich ist. Dies wird zum Beispiel anhand der vorliegenden Zahlen (BWA, Jahresabschlüsse) des Pilotprojektes gemacht. Grundsätzlich ist die Gründung im Bereich Franchising als positiv zu bewerten, da der Erfolg des Franchise-Gebers an dem Franchise-Nehmer weitergegeben wird.

Leser: Sie nannten anfangs drei Finanzierungsmodelle... Ich wollte eigentlich wissen, welche Gründe für welches Finanzierungsmodell sprechen. Wann ist beispielsweise eine Ausfallbürgschaft in Betracht zu ziehen? Handelt es sich "nur" um eine Rechenaufgabe?

Klaus Lockemann: Welches Finanzierungsmodell letztendlich für Sie in Frage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel wie viel Eigenkapital ist vorhanden, wo wird das Vorhaben gemacht (Standort), welche Sicherheiten sind vorhanden oder eben nicht vorhanden. Auch bei den Förderprogrammen gilt grundsätzlich, dass diese bei Darlehen/Krediten, zu besichern sind. Können Sie diese Sicherheiten nicht aufbringen, so kann dann zum Beispiel eine Ausfallbürgschaft bei der Bürgschaftsbank entsprechen beantragt werden. Diese Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank übernimmt, so zu sagen, dann Ihre Sicherheiten.

Leser: Franchise-Geber werden ohne Eigenkapital aber mit einem hervorragenden Konzept? Ist dies möglich und wo kann man Hilfe für die ersten Schritte bekommen?

Klaus Lockemann: Die Investitionen für die Gründung eines Franchise-System können sehr hoch sein, angefangen vom Aufbau des Systems mit Handbüchern, Franchise-Vertrag, Pilotprojekt und…und….und…. Dies ohne Eigenkapital zu schaffen ist sehr schwierig, zumal eigenkapitalersetzende Förderprogramme hier dann nicht eingesetzt werden können.

Leser: Wo finde ich im Internet die aktuellsten Informationen zu den bei einer Unternehmensgründung in Betracht kommenden Fördermitteln?

Klaus Lockemann: Sie müssen einen Mix aus den Förderprogrammen des entsprechenden Bundeslandes und der KfW (=Bund) machen. Die KfW hat ihre eigene Homepage, wo Sie die entsprechenden Informationen einsehen können. Das entsprechende Bundesland hat sein eigenes Förderinstitut, wie zum Beispiel hier in Bayern, die LfA-Förderbank Bayern. Die Förderinstitute der Bundesländer haben auch eigene Internetauftritte, wo sie entsprechende Informationen einsehen können. Im Notfall sprechen Sie mit Ihrer Hausbank, die Ihnen die entsprechenden Anlaufstellen auch sagen kann. Gerne können Sie mich auch fragen, senden Sie dazu mir einfach kurz eine E-Mail.

Leser: Kennen Sie einen „Business Angel“, der sich auf Franchising spezialisiert hat? Wie kann man mit ihm in Kontakt treten?

Klaus Lockemann: Tut mir leid, mir ist zurzeit kein seriöser Business Angel bekannt, der sich auf das Franchising spezialisiert hat. Dies liegt daran, dass für einen Business Angel das Investitionsvorhaben im Bereich Franchising zu klein ist.

Leser: Lieber Herr Lockemann: Für wen eignet sich ein Gründer-Coaching und mit welchen Kosten ist dies verbunden? Besten Dank für einen kurzen Hinweis.

Klaus Lockemann: Natürlich für jeden, der eine Gründung machen will. Es halte es für sehr wichtig, dass Gründer / Gründerinnen sich entsprechend coachen lassen. Da es hierfür auch Förderungen gibt, sind die abschließenden Kosten für Sie sehr überschaubar.

Leser: Welche anderen Quellen für Private Equity gibt es, die ein in Gründung befindliches Franchisesystem anzapfen könnte?

Klaus Lockemann: Sorry, auch hier muss ich leider sagen, dass mir keine weiteren Quellen für Private Equity bekannt sind. Dies liegt einfach daran, dass die Investitionssummen für Private Equity zu gering sind, und die dafür entstehenden Kosten für Private Equity zu hoch sind.

Leser: Noch eine ergänzende Frage: Welche Renditeziele verfolgen in der Regel private Kapitalgeber? Sind sie im Franchising überhaupt realisierbar?

Klaus Lockemann: Wie schon gesagt, die privaten Geldgeber haben auf Grund der teilweisen hohen Kosten, kein Interesse Geld für das Franchising zu investieren. Sprechen wir von privaten Geldgebern und dessen Investitionen, so sprechen wir auch über Geldern in mehreren Millionen. Typische Bereiche sind Forschung und Entwicklung für diese Geldgeber. Hier sind dann auch die angeforderten Renditen des Geldgebers zu erzielen, die durchaus im zweistelligen Bereich liegen können.

Leser: Wie überzeuge ich eine Bank von meinen unternehmerischen Fähigkeiten? Der Franchisegeber hat mir angeboten, mich zum Bankgespräch zu begleiten. Ist dies empfehlenswert?

Klaus Lockemann: Sie müssen Ihrer Bank zeigen, dass Sie sich mit Vorhaben identifizieren und ganz dahinter stehen. Sehen Sie bitte das Bankgespräch als eines ihres wichtigsten Verkaufsgesprächs an. Durch Franchise erhalten Sie Schulungsmaßnahmen und eine Betreuung durch den Franchise-Geber. Dies sind Vorteile, dies Sie ruhig hervorheben dürfen. Sollte der Franchise-Geber zu dem Gespräch mitgehen, so bedenken Sie bitte, dass die Bank denken kann: „Na klar, der Franchise-Geber will den Franchise-Nehmer gerne haben, weil er an ihm letztendlich ja verdient.“ Also bitte mit der richtigen Strategie herangehen.

Klaus Lockemann: Schade, die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Herzlichen Dank für die vielen interessanten Fragen. Ich wünschen Ihnen eine gute Zeit und viel Erfolg für Ihr Vorhaben. Ihr Klaus Lockemann.

 Klaus Lockemann

Klaus Lockemann

Klaus Lockemann

Sachverständiger für Finanzierungen und Finanzplanung sowie Verfasser von zahlreichen Publikationen.

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