0
Geschäftsidee finden
Zum Bereich für Franchisegeber
Zum Bereich für Franchisegeber
Finde und vergleiche gratis Geschäftsideen und finde die richtige Gründungschance für deine Selbstständigkeit!
Geschäftsidee finden
Ratgeber
für Franchise-Interessierte

Erstellung von Businessplänen im Franchising

Bettina Momm: Guten Morgen, gerne stehe ich Ihnen heute zu allen Fragen rund um die Erstellung des optimalen Businessplans und der Durchsetzung bei der Bank zur Verfügung. Ihre Bettina Momm

Leser: Liebe Frau Momm: Welche Hilfestellung sollte der Franchise-Geber seinem Partner bei der Erstellung des Businessplans geben?

Bettina Momm: Der FG sollte zunächst das Konzept mit allen seinen USP's (Alleinstellungsmerkmalen) sowie dem wirtschaftlichen Modell. Kosten und Umsätze zur Verfügung stellen. Für die Makro-Marktanalyse benötigt der FN die Branchen-Marktdaten. Am besten sollte der FG eine Checkliste mit allem, was der FN vorbereiten muss, z.B. Frequenzmessung bei Einzelhandels- Und Gastrosystemen zur Verfügung stellen. Zusätzlich noch die Standort- und Immobilienvorausssetzungen, falls ein Standort notwendig ist.

Leser: Guten Morgen, Frau Momm! Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen professionellen Businessplan im Franchising aus?

Bettina Momm: Ein professioneller BP zeichnet sich durch perfekte Vorbereitung, perfektes Erscheinungsbild (Grafiken,Texte ohne Fehler!), perfekte Gliederung (Inhaltsverzeichnis) und vor allem durch gut recherchierten und vor allem schlüssigen und nachvollziehbaren Inhalt aus. Es darf nichts fehlen. Sobald der Banker nachfragen muss, ist dies negativ.

Leser: Wie vermeidet der Franchise-Geber, dass er für seine inhaltliche und formale Unterstützung bei der Erstellung eines Businessplans anschließend u.U. haftet?

Bettina Momm: Selbstverständlich haftet der FG für alles, was er dem FN inhaltlich zum Konzept und Markt etc. liefert. Dies muss der FG selbstverständlich vorher u.U. juristisch geprüft haben. Für die Inhalte, die der FN liefert, kann der FG keine Haftung übernehmen. Dies gilt vor allem für die persönlichen Angaben, die Marktrecherche vor Ort oder die Prognose der Kalkulation, Liquidität, Investitionen. Jedoch bin ich kein Jurist, da stehen meine Kollegen gerne zur Verfügung.

Leser: Sollten wir unseren Franchise-Nehmern eine Businessplan-Vorlage zur Verfügung stellen? Welche Elemente sollte er grundsätzlich enthalten?

Bettina Momm: Hallo lieber Teilnehmer; ja, das wäre natürlich für Ihre zukünftigen Franchisenehmer eine große Hilfestellung. Zumal Sie durch die Zurverfügungstellung des Konzeptes oder eines groben Gerüsts, das der FN mit Leben füllen muss, auch Ihr System steuern können. Sie vermeiden von Anfang an "Wildwuchs" und jeder hat, auch für das spätere Controlling oder Soll/Ist-Vergleiche, die gleiche Struktur. Der BP sollte folgende Kapitel beinhalten: 1. Konzept, 2. Person und Hintergrund 3. Makro- und Mikromarkt, 4. Standortanalyse 5. Kalkulation, aufgeteilt in Investment, G+V, Liquidität etc. 6. Anlagen

Leser: Ich kann offenbar keine große Hilfe bei der Entwicklung des Businessplans von meinem künftigen Franchise-Geber erwarten. Deshalb meine Frage, ob es Unterschiede zwischen den Businessplänen eines noch jungen und eines bereits etablierten Franchise-Unternehmens gibt?

Bettina Momm: Ja, liebe Chat-Teilnehmerin, es gibt da wirklich riesige Unterschiede. Meist haben die "großen" etablierten Franchisesysteme hervorragende Vorlagen oder bieten die Erstellung gemeinsam mit dem FN an bzw. stellen Kontakte zu Beratern her, die das Thema perfekt beherrschen. Aber auch "kleine", unerfahrene Systeme stellen manchmal sehr gute Konzepte zur Verfügung. Das muss man leider jeweils immer vorab im Einzelfall prüfen. Eines ist jedoch absolut wichtig! Bevor Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr BP perfekt ist und Sie das Gefühl haben, dass dieser zu 100 % bei der Bank durchgeht, fragen Sie einen kompetenten Berater. Möglicherweise zahlen Sie sonst zu viel "Lehrgeld" oder die Finanzierung scheitert. Im Vorfeld sollten natürlich Ihre individuellen Fördermöglichkeiten abgeklärt werden.

Leser: Gehört auch die Aufbau- und Ablauforganisation sowie die Vorstellung der Schlüsselpersonen in der Franchise-Zentrale in den Businessplan unserer Franchise-Nehmer?

Bettina Momm: Das gehört nicht unbedingt in den BP, aber das "kann nicht schaden". Damit stellen Sie natürlich die Kompetenz Ihres Teams und durch die Ablauforga Ihres Unternehmens und somit auch hier Ihre Kompetenz generell dar. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass der Inhalt so knapp wie möglich gehalten wird. Grafiken und Bilder sagen mehr als tausend Worte!

Leser: Raten Sie für die Erstellung einer mehrfach verwendbaren Businessplan-Vorlage zur Einschaltung eines erfahrenen Unternehmensberaters? Mit welchen Kosten wäre dabei zu rechnen? Können Sie jemanden empfehlen?

Bettina Momm: Eindeutig Ja, solch ein "Masterbusinessplan" muss perfekt sein und natürlich immer dem aktuellen Stand entsprechen. Die Kosten variieren je nachdem ob der Berater/in eine Pauschale oder einen Tagessatz veranschlagt. Rechnen Sie mit zwischen 5- 10.000 Euro. Da kommt es natürlich drauf an, was Sie bereits zur Verfügung stellen können. Insbesondere Informationen über den Makromarkt Ihrer Branche und ob Sie Ihr Konzept bereits schlüssig (USP'S) und für die Banken die Kalkulation nachvollziehbar (sozusagen "von hinten gerechnet") dargestellt haben. Professionelle und sehr erfahrene Berater zu dem Thema finden Sie u.a. bei SYNCON. Schauen Sie sich gerne Profile an, dann sehen Sie die Schwerpunkte der Tätigkeiten.

Leser: Ich überlege, zu besonders günstigen Konditionen in ein junges Franchise-System einzusteigen. Ich wäre in diesem Fall eine der ersten Partner. Worauf muss ich beim Schreiben des Businessplans achten, da das Franchise-Konzept den Banken noch nicht bekannt ist?

Bettina Momm: "No risk - no fun"! Auch junge Systeme benötigen ihre ersten Franchisepartner. Dadurch ergeben sich für Sie evtl. auch Chancen durch den preiswerteren Einstieg, durch die persönliche Betreuung, oder Sie erhalten die Möglichkeit, das System selbst mitzugestalten bzw. als weiteren Pilot am Markt zu testen. Auf jeden Fall sollte aber mindestens ein erfolgreicher Pilotstandort mit mind. 2-3 Jahren, vor allem betriebswirtschaftlich nachvollziehbare Zahlen vom FG nachzuweisen sein. Eines gilt auf jeden Fall: Sie müssen sich 100% sicher ein, dass Sie bzw. das System nicht scheitern. Das lässt sich vorher durch intensive Recherche Ihres Marktes und der Zahlen, siehe oben, einschränken. Gegenüber den Banken muss hier eine andere Strategie als bei etablierten Systemen gefahren werden. Diese Strategie muss vom FG kommen oder Sie schalten einen kompetenten Berater ein. Ich habe in meiner Historie bei über 400 Unternehmen, die ich in den letzten über 25 Jahren ins Franchising begleitet habe, mehrfach vom System abgeraten (da keine validen Daten vorhanden waren!). Manchmal passte auch der Gründer nicht auf das Konzept oder umgekehrt. Oder der Gründer hatte eine zu naive Vorstellung von seiner Selbstständigkeit oder einfach zu wenig Eigenkapital. Zu knapp darf gerade bei neuen Systemen die Finanzierung nicht sein. Ein Scheitern darf auf keinen Fall am fehlenden Kapital liegen - das wäre tragisch, wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen. Und eine Nachfinanzierung ist meist nicht möglich! KfW-Richtlinien etc.

Leser: Hallo, Frau Momm. Ist es einfacher, die Übernahme eines bestehenden Franchise-Betriebes im Businessplan darzustellen und finanziert zu bekommen? Das Risiko der Geldgeber müsste doch geringer sein.

Bettina Momm: Ja, lieber Teilnehmer, Firmenverkäufe habe ich im Franchising vielfach begleitet. Als Beispiel: Ende letzten Jahren habe ich meine eigene Lizenz-Firma an meine Institutsleiterin verkauft und sie hat über Kfw-Startgeld die Finanzierung mit ganz wenig EK erhalten. In der Regel ist dies viel einfacher bei den Banken durch zu bekommen, da Sie ja schon einen bestehenden Standort haben. Evtl. ausgebildete Mitarbeiter, die Prozesse laufen rund und natürlich übernehmen Sie einen Kundenbestand und mit Umsatz..... und schwarz auf weiß Bilanzen! Dies gilt es natürlich auf "Herz und Nieren" im Vorfeld zu prüfen. Die erste Frage, die Sie stellen sollten "Haben Sie Leichen im Keller?". Man kann natürlich nicht alles im Detail prüfen und wenn jemand Bilanzen "schönt", stellen Sie dies leider erst hinterher fest. Aber durch eine gute "Due Diligence" schränken Sie Ihr Risiko erheblich ein.

Leser: Übernimmt die KfW auch dann den Beratungszuschuss, wenn es zu keiner Gründung kommt?

Bettina Momm: Ja, den beantragen Sie ja vorher und die Beratung hat ja auch stattgefunden - egal mit welchem Ergebnis!

Leser: Inwieweit sollte man im Businessplan die laufenden und geplanten Entwicklungsprojekte der Systemzentrale erwähnen, um die Attraktivität des Angebots zu unterstreichen? Stellt die Vertraulichkeit dieser Informationen im Hinblick auf die Banken ein Problem dar?

Bettina Momm: Hallo liebe Chat-Teilnehmerin, Banker sind zur Vertraulichkeit verpflichtet....!!!und zwar in allen Punkten! Hin und wieder kommen einem angesichts der aktuellen Entwicklung bzgl. der "Transparenz unserer Datenwelt" Zweifel auf, aber in der Regel vertraue ich meinem lokalen Banker. Neue, auch wenn noch in der Entwicklung befindliche Projekte sollten dargestellt werden (ein wenig konkret sollte dies jedoch schon sein!), dies unterstreicht die Kompetenz und Marktfähigkeit des Franchisegebers. Fragen Sie aber vorher, ob Sie das dürfen.

Leser: Und welche Schwerpunkte sollten wir im Masterbusinessplan setzen? Welche haben sich in anderen Franchise-Unternehmen bewährt?

Bettina Momm: Die gleichen wie im BP für den FN - der Master-BP ist ja die Vorlage. Ganz wichtig ist darzustellen, ob sich das Konzept für den Franchisenehmer rechnet bzw. ob er genug (ich weiß dies ist relativ!)verdient, um sein Leben zu finanzieren und sich langfristig eine sichere Existenz damit aufbauen kann.

Leser: Welche Informationen gehören zu einer Standortbeschreibung? Muss ich die Schilderung der Vor- und Nachteile mit Analysen untermauern? Wo kann ich solche Analysen kostengünstig erhalten?

Bettina Momm: Die Mikrodaten der Lage und der Immobilie bis ins Detail (es würde hier den Rahmen sprengen, die aufzulisten! Meist stellen FG's Checklisten zur Verfügung. Dann natürlich, wenn es Gastro- oder Einzelhandel ist, eine Frequenzmessung für eine Woche von morgens bis abends. Aufgrund der Frequenzmessung rechnen Sie mit einer branchenüblichen Abschöpfungsquote und daraus mit Ihrem Durchschnittsbon den Umsatz hoch. Dies benötigen Sie für die Plausibilität gegenüber dem Banker. Vielleicht ist ja an der Lage, die Sie nun gerade mieten wollen, vorher ein Unternehmen gescheitert und war bei der gleichen Bank. Dann haben Sie zumindest bei dieser Bank keinerlei Chancen mehr. Und einmal abgelehnt, macht jeden weiteren Antrag schwieriger. Warum das so ist, erzähle ich Ihnen gerne persönlich. Dann gehört in die Analyse natürlich die Wettbewerbsbetrachtung (gemäß Checkliste (Preisgefüge, Entfernung vom Standort, Abgrenzungsfaktoren zum Wettbewerb- ...schlicht gesagt, was mache ich denn zukünftig besser oder anders oder zielgruppenorientierter als meine Konkurrenten! Auch hier würde dies den Rahmen sprengen). Ohne vernünftiges "Mystery Shopping" empfehle ich nicht, ein Unternehmen zu eröffnen.

Leser: Das klingt sehr gut Können Sie mir vielleicht auch einen Rat geben, wie bei der finanziellen Bewertung eines bestehenden Franchise-Betriebes vorzugehen ist?

Bettina Momm: Ja, da gibt es keine Unterschiede zu Unternehmen ohne Franchising. Es bestehen mehrere Unternehmens-Bewertungsverfahren, z.B. das Stuttgarter Modell oder andere Modelle. Darüber kann Ihnen sicher ein erfahrener Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Anwalt, der sich mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Gesellschaftsrechts beschäftigt, Auskunft geben. Je nach Größe des Unternehmens empfehle ich, einen dieser Kollegen einzuschalten. Gerne nenne ich Ihnen einen Kooperationspartner aus unserer SYNCON-Gruppe. Wenn es sich um ein kleineres Unternehmen handelt, reicht manchmal eine Checkliste. Natürlich ist dies auch eine Frage des Kaufpreises. Die Kosten für die Beratung sollten im Verhältnis dazu stehen.

Leser: Sollte ich meinen Franchise-Geber bitten, mich bei der Präsentation des Businessplans zu meiner Hausbank zu begleiten? Kann ich beim Gründungsberater der Hausbank grundlegende Kenntnisse des Franchising und seiner Besonderheiten voraussetzen oder muss dies im Businessplan eigens erläutert werden? Bekomme ich bessere Konditionen, weil mich der Franchise-Geber unterstützt und damit das Risiko der Hausbank geringer ist?

Bettina Momm: Nein, der FG ist nicht neutral und verfolgt seine ureigenen Interessen, Sie als Franchisenehmerin zu gewinnen und mit Ihnen Geld zu verdienen. Dies kann in Bankgesprächen eher "nach hinten" losgehen. Wenn Sie sich sicherer mit Begleitung fühlen, suchen Sie sich einen neutralen Berater. Das kann auch ein Freund mit gutem kaufmännischen Hintergrund und gutem Auftreten und Eloquenz sein. Nein, je nach Bank können Sie leider nicht davon ausgehen, dass der Banker die Grundlagen des Franchising kennt. Die müssen Sie kurz und knapp am Anfang des Konzeptes darstellen und auch im Gespräch erläutern, falls dazu noch Bedarf besteht. Die meisten Gründungsfinanzierungen werden ohne Franchising begleitet. Wenn Sie Pech haben, wird die Finanzierung gar nicht erst angenommen, gerade weil es Franchising ist und der Banker vielleicht irgendwann einmal in der Presse etwas Negatives darüber gelesen hat. Hier etwas Grundsätzliches: Es zählen natürlich immer die Daten und Fakten, aber noch wichtiger ist Ihre Person, die Darstellung und das, "was sich unter der Oberfläche" abspielt, und das ist das Meiste! Die Emotionen, Erwartungen, Überzeugungskraft etc., etc., die wir ausstrahlen (aber auch dieses Thema würde hier den Rahmen sprengen!)

Leser: Sollte ich meine eigenen Kenntnisse sowie die unternehmerischen Erfahrungen meines Franchise-Gebers ebenfalls im Businessplan erwähnen?

Bettina Momm: Hallo liebe Teilnehmerin, ja, das ist absolut wichtig und entscheidend - gerade, wenn Sie KfW-Darlehen haben wollen, muss Ihr Erfahrungshintergrund auf das Konzept passen!

Leser: Sollten auch die nicht-offensichtlichen Risiken und Notfallszenarien im Businessplan angesprochen werden oder sorgt dies nur für Verunsicherung auf Seiten der Kreditgeber?

Bettina Momm: Danke für den Hinweis, liebe Chat-Teilnehmerin. Ein Kapitel des BP sollte sich genau damit beschäftigen, entweder allein stehend oder im Konzept hinten dran. Aber auf jeden Fall vorne kurz im "Executive Summary" der Zusammenfassung - max. auf 3 Seiten. Ja, die Risiken, die sowohl durch das Wachstum des Systems, Nachahmer durch Wettbewerber oder durch Ihre Person, Überbelastung, Doppelbelastung, Unterschätzung etc. entstehen können, sollten dargestellt werden. Danach müssen die Risiken dann aber wieder (am Besten durch doppelt so langen Text) in Chancen aufgelöst werden. Ergo, also darstellen, warum Sie nicht scheitern können. Hier ist einiges Formulierungstalent notwendig. Gerade zu diesen Themen sind häufig die Darstellung der "personell skills", Motivation etc. notwendig und das sind ja eher "weiche Faktoren" als die "hard facts" von Zahlen und Daten. Verunsicherung darf natürlich nicht sein, daher liegt das an Ihrer Formulierung! Nicht suggestiv, aber klar und deutlich erläutert, warum Sie Erfolg haben werden, Sie daran glauben! ......und Sie auch keiner davon abbringen kann.

Bettina Momm: Sorry, liebe Teilnehmerin, ich hatte die letzte Antwort vergessen! Natürlich bekommen Sie keine besseren Konditionen, nur weil es Franchising ist. Da zählt alleine Ihre Bonität !

Leser: Sehen Sie bei der Finanzierung und Übernahme eines bestehenden Franchise-Betriebes erhöhte finanzielle Risiken, wenn der ehemalige Franchise-Nehmer seinen Betrieb nicht ganz freiwillig aufgegeben hat?

Bettina Momm: Ja, lieber Teilnehmer, da gibt es ja Gründe! Und genau diese Gründe müssen glasklar erläutert werden. Wenn die Gründe nur in der Person des ehemaligen Franchisenehmers und nicht am System, Markt, Standort, Wettbewerb liegen, haben Sie eigentlich ganz gute Karten. Und wenn Sie dann noch darstellen können, dass andere Franchisenehmer mit dem System Geld verdienen, warum sollen Sie das nicht können. Eben Sie sind ja eine andere Person, haben einen völlig anderen Hintergrund, den Sie natürlich darstellen müssen. Die meisten Franchisebetriebe, die ich im Verkauf beraten habe, mussten aus negativen Gründen verkaufen. Die Herausforderung ist hierbei natürlich größer, aber der Preis ist ja dann häufig niedriger oder verhandelbar. Nicht, weil wir eine Notsituation ausnutzen wollen. Häufig ist ein Notverkauf die bessere Alternative für den bestehenden FN als ein Insolvenz oder Abwicklung seines Unternehmens. Hierzu gäbe es noch jede Menge zu beachten, aber das sprengt leider den Rahmen.

Leser: Welche formalen Vorgaben gibt es für die Erstellung eines professionellen Businessplans bzw. einen Masterbusinessplan?

Bettina Momm: Ich möchte mich vor der Antwort nicht drücken, aber das Internet ist voll mit Checklisten und Vorlagen zu Businessplänen. Am besten auf die Seite der KfW oder des RKW Hessen gehen, oder sich eine Checkliste bei einem Berater anfordern. Die Auflistung der formalen Anforderungen an einen BP sind umfangreich und würden den Rahmen hier sprengen.

Leser: Gehören auch die persönlichen Kosten für Unterbringung, Ernährung etc. in den Businessplan, um aufzuzeigen, wie ich mich während der Anlaufzeit über Wasser halten will?

Bettina Momm: Ja, auf jeden Fall. Sie müssen ja in der Zeit auch existieren können und sich gut und gesund versorgen können. An Sie werden vor, während und vor allem nach der Gründungsphase und in der ersten 2 Jahren hohe Anforderungen gestellt. Körperliche und vor allem mentale Gesundheit ist da absolute Voraussetzung. Ich weiß, die Antwort geht sehr weit, aber manchmal vergisst man das Wesentliche - sich selbst- vor lauter Arbeit- nur wenn es Ihnen gut geht, geht es Ihren Kunden gut!

Leser: Stimmt es, dass die Vergabe von Gründungszuschüssen durch die Arbeitsagentur erschwert wurde? Könnten Sie mir die Neuregelung kurz erläutern?

Bettina Momm: Ja, das stimmt. Leider ist die Dauer des Gründungszuschusses auf 6 Monate und auch die Zeit der Anspruchsberechtigung ist verkürzt worden. Aber was noch schlimmer ist, es ist nun Einzelfallentscheidung und Sie sind in der Hand Ihres Beraters bei der Arbeitsagentur. Ergo - in der Kalkulation können wir leider nicht mehr mit dem Zuschuss fest rechnen. Wenn er dazu kommt, schön, wenn nicht, muss mehr finanziert werden. Die genauen Richtlinien können Sie sich auf der Seite der Arbeitsagentur im Internet herunterladen.

Leser: Welche weiteren konkreten Tipps können Sie einem Gründer für ein bevorstehendes Bankgespräch geben?

Bettina Momm: Jede Menge, lieber Teilnehmer. Da habe ich mal wieder eine Checkliste. Neben Selbstverständlichkeiten wie Optik, Auftreten, Pünktlichkeit und Ablieferung des BP mind. eine Woche vorher, spielen hier eher die "weichen Faktoren" eine Rolle. Das Gespräch sollte vorher mit einer Person des Vertrauens geübt werden, die dann auch unangenehme Fragen stellt, wie......"Herr XYZ, was machen Sie denn, wenn die Umsätze nicht so eintreffen, wie Sie hier in der Kalkulation prognostiziert haben" oder "Sie sind doch hervorragend qualifiziert, warum suchen Sie sich denn keinen sicheren, gut bezahlten Job und wollen statt dessen in das Risiko der Selbstständigkeit" oder "Steht Ihre Frau/Partnerin dahinter und bürgt sie mit ihrem Vermögen für Sie". Gemeine Fragen!! Nicht wahr? Ein Bankencoaching vorab ist unerlässlich, wenn Sie so etwas noch nicht gemacht haben.

Leser: Brauche ich im Businessplan eine Ertragsvorschau und eine Liquiditätsplanung, was ohne längere Erfahrungen vergleichbarer Betriebe leider nur sehr vage sein kann?

Bettina Momm: Hallo liebe Chat-Teilnehmerin, ja, ein Gründer ohne Franchising hat ja auch keine Zahlen, auf die er zurückgreifen kann. Daher, wie schon erwähnt, Ihr FG muss einen erfolgreichen Pilotstandort haben und Ihnen auch Zahlen liefern, sonst sind wir eher im Bereich der "Kaffeesatzleserei" und das mögen Banker gar nicht.

Leser: Warum habe ich als Arbeitsloser nicht Anspruch auf ein Gründerstipendium? Meine Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur wollte darauf nicht weiter eingehen.

Bettina Momm: Da gibt es doch echt noch AA-Berater, die das Thema nicht kennen und abblocken weil es einfach zu viel Arbeit kostet. Das habe ich mehr als einmal erlebt. Bestehen Sie auf der Information und verlangen Sie die Formulare "Beantragung des Gründungszuschusses mit fachkundiger Stellungnahme" und machen Sie sich vorher im Internet schlau oder in einem Gründungscenter - oder fragen Sie einen Berater. Wenn Sie nicht weiterkommen, gehen Sie zum Vorgesetzten oder legen formal, schriftlich Beschwerde ein. Sie sind Kunde bei der AA und kein Bittsteller.

Bettina Momm: Herzlichen Dank, liebe Teilnehmer für Ihre interessanten und höchst kompetenen Fragen. Ich freue mich, wenn ich Ihnen einige wertvolle Hinweise geben konnte und wünsche Ihnen als Franchisegeber oder Franchisenehmer, was immer Sie auch vorhaben, viel Erfolg, das notwendige Durchhaltevermögen und bewahren Sie stets, auch wenn's mal hoch hergeht, eine positive Lebenseinstellung. Ihre Betina Momm - SYNCON International Franchise Consultant

 Bettina Momm

Bettina Momm

SYNCON International Franchise Consultants

1987 war sie Mitbegründerin des Franchise-Systems AUFINA. Seit mehr als 25 Jahren ist sie als selbstständige Franchise-Beraterin tätig und hat bislang über 400 Franchise-Projekte begleitet.

Zum Expertenprofil
Der Newsletter für Franchise-Gründer
Weitere Infos zu den Vorteilen des Newsletters und der regelmäßigen Inhalte für den Interessenten.

Ausgewählte Top-Gründungschancen

  • RE/MAX Austria
    RE/MAX Austria

    RE/MAX Austria

    Immobilien-Franchise: Immobilienvermittlung
    Werden Sie Partner des größten und am schnellsten wachsenden paneuropäischen Immobilien-Franchisesystems und profitieren Sie von unserem Netzwerk!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 40.000 EUR
    Vorschau
    Details
  • Mrs.Sporty
    Mrs.Sporty

    Mrs.Sporty

    Das maßgeschneiderte Franchise-System: Frauensport-Club mit Fokus auf persönliche Betreuung
    Der Sportclub für Frauen in Ihrer Region und das Nr. 1 Erfolgssystem für Sie als Franchise-Partner!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 15.000 EUR
    Vorschau
    Details
  • Subway®
    Subway®

    Subway®

    Kommen Sie zu dem am schnellsten wachsenden Franchise-Unternehmen, der weltweit größten Sandwich-Kette und der N° 2 im internationalen Fastfood-Markt!
    Benötigtes Eigenkapital: ab 15.000 EUR
    Vorschau
    Details