

Generell lässt sich die Attraktivität eines Franchise-Angebotes erst nach eingehender Überprüfung beurteilen. Vor jeglicher Terminvereinbarung mit einem Franchisegeber empfiehlt es sich, Informationsmaterial über das in Betracht kommende Franchise-Angebot anzufordern. Wichtige Anhaltspunkte, die Ihnen bei der ersten Beurteilung eines Angebotes helfen werden, liefern
Interessensbekundungen werden seitens der Franchise-Geber mit einer ausführlichen Beschreibung des Franchise-Systems, einer höflichen Absage und manchmal leider auch gar nicht beantwortet. Enthält die Anfrage bereits grundlegende Informationen über den Berufsweg, die besonderen Kenntnisse und Erfahrungen sowie die berufliche Zielsetzungen und Wünsche des Interessenten, kann dieser in der Regel mit einer individuellen Reaktion des Franchise-Gebers rechnen.
Viele erfahrene Franchise-Geber erstellen für die Identifikation geeigneter Partner ein Anforderungsprofil mit den spezifischen Eignungskriterien, das sie dem Interessenten mit einführendem Informationsmaterial zukommen lassen. Diese Vorgehensweise erspart beiden Seiten Zeit und Geld, da sie offensichtlich ungeeignete Kandidaten von einer Bewerbung abhält. Für die Auswahl in Frage kommender Kandidaten werden überdies häufig Fragebögen eingesetzt, die anschließend durch intensive Gespräche, praktische Tests sowie die Überprüfung von Referenzen vertieft werden können.
Einen ersten Eindruck vermittelt die optische und inhaltliche Aufbereitung des Informationsmaterials durch den Franchise-Geber. Wurde dabei bereits geschlampt, dürfte der Anbieter in der Umsetzungsphase vermutlich ebenfalls die notwendige Sorgfalt vermissen lassen. Allerdings ist bei der inhaltlichen Beurteilung zu berücksichtigen, dass Franchise-Geber ihr Know-how aus gutem Grund nur Zug um Zug offen legen.
Die Geschäftsidee sollte überzeugend sein und sich durch eine gewisse Originalität auszeichnen. Nur Angebote, die echte Vorteile gegenüber den Wettbewerbern geltend machen können, haben in dem härter werdenden Konkurrenzkampf eine Chance. Für die Leistung des Franchise-Systems muss dauerhafter Bedarf bestehen, vorübergehende Modetrends bieten keine Basis für eine auf Langfristigkeit angelegte Franchise-Vereinbarung. Viele besonders erfolgreiche Franchise-Anbieter zielen mit Ihrer Geschäftsidee auf das Kernproblem oder das grundlegende Bedürfnis einer eng umrissenen Zielgruppe, für das sie eine neue Lösung gefunden haben.
Wurde vom Franchise-Geber aus irgendwelchen Gründen noch kein Systemhandbuch erstellt, ist zu befürchten, dass das systemspezifische Know-how noch nicht in einer verständlichen und praktikablen Form aufbereitet wurde.
Eine intensive Ausbildung vor der Geschäftsaufnahme durch den Franchise-Nehmer sowie begleitende Schulungs- und Beratungsmaßnahmen gehören grundsätzlich zum Leistungsumfang eines Franchise-Systems.
Das Leistungspaket des Franchise-Gebers sollte seine Bewährungsprobe am Markt bereits erfolgreich bestanden haben. So darf von ihm erwartet werden, dass er sein Konzept zuvor zumindest mit einem Pilotbetrieb über einen längeren Zeitraum getestet hat. Insbesondere müssen Preis, Qualität und Lieferfähigkeit der angebotenen Leistungen und Produkte den Markterfordernissen entsprechen.
Für eine gewisse Wettbewerbsstärke des Franchise-Ssystems spricht eine mehrjährige Marktpräsenz sowie eine zunehmende Zahl von Partnerbetrieben. Weitere Anhaltspunkte liefert seine Position im Markt sowie seine Entwicklung im Vergleich zu den Hauptwettbewerbern und dem Branchendurchschnitt. Dagegen ist die Wettbewerbsstärke jüngerer Franchise-Systemen oft nur schwer zu beurteilen.
Geschäftserfolge im Ausland gewährleisten noch keine erfolgreiche Wiederholung im Inland. Das System sollte vor der Rekrutierung von Franchise-Nehmern mittels eines inländischen Pilotbetriebes den spezifischen Marktgegebenheiten angepasst worden sein. Häufig wird zu diesem Zweck ein Master-Franchise-Nehmer zwischengeschaltet, der nach einer erfolgreichen Pilotphase die Aufgaben des Franchise-Gebers übernimmt.
Einzelne Dienstleistungsbranchen tun sich mit dem Franchising besonders schwer. Es handelt sich dabei vorwiegend um die Anbieter stark personenabhängiger Dienstleistungen, deren Wettbewerbsstärke mehr in der Qualität ihrer Kontakte als in einem ausgefeilten System besteht. Konkret gehören viele Beratungsunternehmen zu dieser Kategorie.
Ist die Gesamtzahl der Betriebe von einem Jahr zum anderen rückläufig gewesen oder sind einzelne Betriebe offensichtlich wieder aufgegeben worden, müssen bei fortbestehendem Interesse Ihrerseits unbedingt die Hintergründe abgeklärt werden.