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Derzeit leben in Deutschland rund 3,5 Millionen russischsprachige Bürger, deren junges Durchschnittsalter und starke Konsumbereitschaft hierzulande bisher wenig Beachtung gefunden hat. Laut einer Presseerklärung der KfW Bankengruppe summieren sich die Gründungen der aus Osteuropa stammenden Mitbürger mittlerweile auf gut 30%.
Inwiefern sind diese Eigenschaften geeignet, um
erfolgreich selbstständig zu sein?
Natürlich, wenn wir jetzt über
die Existenzgründung mit Schwerpunkt Franchising reden, bin ich überzeugt, dass
unsere Kombination an Fähigkeiten eine große Bereicherung für jedes
Franchisesystem ist. Die Fähigkeit sich anzupassen, Risiken einzugehen und für
das eigene Geschäft zu kämpfen sind viel gesuchte Anforderungen an einen
Franchise-Interessenten. Jedes nach den Prinzipien des Business Format Franchise
aufgebaute Franchise-Unternehmen verfolgt das Ziel, ertragreiches Wachstum über
das Wohlergehen der Franchise-Nehmer für das System zu generieren. Diese
gegenseitige Abhängigkeit als Voraussetzung für Erfolg macht heutzutage die
Attraktivität der Franchisewirtschaft überall in der Welt aus. Ich sehe auch
hier das große Potential für deutsche Franchise-Systeme, die sich auf dem Markt
in der ehemaligen Sowjetunion etablieren wollen. Dafür gibt es gute
Voraussetzungen.
In welchen Berufsfeldern sind diese russischsprachigen Bürger
besonders an Existenzgründungen interessiert?
Im Handel, Handwerk,
Logistik und anderen personenorientierten bzw. haushaltsnahen Dienstleistungen.
Bereiche der realen Wirtschaft, die dringend die guten Köpfe und die frischen
Hände in der jetzigen Situation brauchen. Viele haben eine deutsche Ausbildung
hinter sich, aber können sich als Arbeitnehmer im Betrieb aus verschiedenen
Gründen nicht behaupten. Daher bietet die Selbstständigkeit in einem
Franchise-System mehr Möglichkeiten für die Realisierung ihrer Träume als ein
Angestelltenverhältnis.
Wie hoch schätzen Sie die Bereitschaft der Bürger aus
den GUS-Staaten sich mit einem Franchisesystem selbstständig zu machen
ein?
Sehr hoch und es gibt dafür auch schon einige gute Beispiele.
Allerdings habe ich schon am Anfang erwähnt, dass viele sprachlich unter sich
bleiben, obwohl sie sehr gut deutsch oder englisch sprechen. Manchmal bevorzugen
sie russischsprachige Medien in allen Varianten, insbesondere dann, wenn es um
schwierige Sachverhalte geht, wenn sie die „Traditionen“ pflegen oder auf
„Erinnerungen“ zurückblicken. Leider gibt es tatsächlich nur sehr wenige
Informationen über das Franchising als Existenzgründungsform in russischer
Sprache. Man weiß aber, wo ein Informationsvakuum besteht, breiten sich Gerüchte
aus. Wir arbeiten jetzt daran dieses Informationsvakuum mit dem
branchenspezifischen Stoff auf russisch zu füllen. Das tut nicht nur uns als
Beratungsunternehmen gut, sondern auch der gesamten Franchisewirtschaft in
Deutschland.
Gibt es bereits deutsche Franchisesysteme, die gezielt
russischsprachige Bürger ansprechen?
Ich würde nicht sagen, dass in
Deutschland befindliche Franchise-Systeme gezielt russischsprachige Bürger
ansprechen. Es gibt sogar nur sehr wenige Systeme in denen russischsprachige
Deutsche als Franchise-Nehmer oder als Arbeitnehmer in der Zentrale tätig sind.
Dieses Segment ist aber hochinteressant, weil gut ausgebildete Handwerker, Angestellte und Manager gelernt haben Chancen wahrzunehmen, wenn man sie ihnen in zugänglicher Form anbietet. Diese Leute bringen viel mehr Potential mit, als bis jetzt angenommen wurde.
Wie können Franchisegeber von der Zusammenarbeit
profitieren?
Marketinguntersuchungen zeigen eine hohe
Kaufbereitschaft und extrem niedrige Sparquote bei russischsprachigen Bürgern.
Experten schätzten eine jährliche Kaufkraft in Höhe von ca. 35 Mrd. Euro. Wer
dieses Potential nicht wahrnimmt, muss blind sein! Vor diesem Hintergrund wird
Ethnomarketing zur Zeit in Deutschland neu entdeckt und Werbung oder spezielle
Beratung wird nicht nur auf deutsch, sondern auch auf türkisch oder russisch
angeboten. Und es stellt sich die Frage, warum sollen Franchise-Systeme davon
nicht profitieren?
Gibt es auch Bereiche in denen die Zusammenarbeit, gründend auf
kulturellen Unterschieden, vielleicht schwierig sein könnte?
Ich
glaube nicht. Wenn tatsächlich Defizite vorhanden sind, muss man Wege finden,
diese zu kompensieren. Wenn man handwerklich nicht geschickt ist, kann man
Handwerker einstellen und diese führen, wenn man nicht so gut verkaufen kann,
kann man über ein Ladengeschäft Kunden gewinnen. Generell gilt: wenn man etwas
nicht kann, kann man es lernen. Wichtig ist sich selbst gut einzuschätzen, sich
den neuen Situationen anzupassen und sich selbst immer wieder zu verändern.
Nehmen Sie die letzte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung über Integration in Deutschland. Sie zeigt, dass die Dynamik der Integrationsleistung am besten bei den russischsprachigen Bürgern ausgeprägt ist. Das heißt, wir respektieren die Gesellschaft, sind bereit zu lernen und bringen eine hohe Leistungsbereitschaft in unsere neue Heimat mit. Wir sehen uns als Deutsche und wollen hier erfolgreich sein. Eigenschaften, die für eine gute Zusammenarbeit überall absolut notwendig und unverzichtbar sind. Ich denke, dass das Einwandern in ein fremdes Land schon an sich viel Pioniergeist, Mut, Risikobereitschaft, Flexibilität, Respekt und Lernbereitschaft erfordert; und das nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.
Dieses Interview können Sie auch in russischer Sprache nachlesen. Bitte klicken Sie hier.